Du

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Ich mag die englische Sprache. In meinem Job gilt es als vollkommen normal, dass sämtliche Kommunikation in Englisch stattfindet. Im Zuge meines Studiums ist auch der Anteil amerikanischer Literatur kontinuierlich gestiegen. Ich sehe mir Filme und Serien grundsätzlich im Originalton an und lese inzwischen selbst Romane im englischen Original. Ich mag die Sprache.

Doch gibt es ein Detail in meiner Muttersprache, dem Deutschen, um das uns ein jeder beneiden sollte, dessen Sprache diese Feinheit nicht bietet: Die einfache Handhabung von Beziehungsebenen. Die Regeln sind simpel: Sind wir uns gut bekannt und findet die Kommunikation auf einer privaten Ebene statt, verwenden wir das vertrauliche “Du”. In jeder anderen Situation ist das förmliche “Sie” die einzig angebrachte Umgangsform.

Irgendwann, zu einer Zeit als meine Eltern etwa so alt waren wie ich heute, wurde es hip, sich grundsätzlich und überall zu duzen. Doch genauso wenig das Wort “hip” noch aktuell ist, ist es das ständige Duzen.

Es soll eine Atmosphäre es Vertrauens, der Vertraulichkeit und der Lässigkeit simulieren. Doch ist ein Du im falschen Moment eine Respektlosigkeit. Der Gegenüber wird in einer förmlichen Situation in ein Vertrauensverhältnis gepresst, dem er nicht zugestimmt hat. Zu dem er vermutlich nicht einmal zustimmen würde, würde man ihn fragen. Es ist in beinahe jeder Situation unpassend. So ist das Du des Chefs das Gegenteil einer Würdigung, das Du eines Geschäftspartners unprofessionell und das Du im Service eine Unverschämtheit.

Dabei ist es so einfach: Im Zweifel immer “Sie”.

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