Emacs auf dem Mac

Wie jedem Leser dieses Blogs bekannt sein dürfte, habe ich mich in den letzten Monaten hingebungsvoll mit dem Emacs Editor beschäftigt. Ich empfand es immer etwas eigenartig, wie viel Konfiguration der Editor braucht, um halbwegs komfortabel auf dem Mac zu laufen, hatte mich aber damit abgefunden und dachte, dass so alte Software vermutlich einfach etwas länger braucht, um moderne Features, wie etwa den von mir hoch geschätzten Fullscreen-Mode zu nutzen. Bis ich dann am letzten Wochenende in den Genuss kam, Emacs auf einem Fedora-getriebenen Thinkpad nutzen zu müssen.

Jeder der mich kennt weiß, dass ich auf den Apfel eingeschworen bin. Mir gefallen viele Details an dem Gerät. Die Hardware stimmt von vorne bis hinten und alles ist genau an dem Ort, an den es gehört. Doch an diesem Wochenende dachte ich das erste Mal seit  über fünf Jahren darüber nach, den Mac zu verlassen.

Doch bevor ich mich hier in einem Rant verliere, möchte ich einfach einmal die Emacs-Situation auf dem Mac darlegen.

Emacs

Eine Terminalversion des Editors wird mit dem Betriebssystem ausgeliefert. Was zuerst einmal eine löbliche Ausnahme ist. Andere Betriebssysteme, wie etwa diverse Linuxdistributionen, oder auch Windows kommen ohne Emacs, in manchen Fällen sogar ohne Vim. In vielen Betriebssystemen wird man auf  Nano oder Pico verwiesen, Editoren deren Name bereits beschreibt, mit welcher Featurelast der Anwender zu rechnen hat.

Doch tippt man dann frohgemut “emacs -version” in seinen Terminal, erwartet den Nutzer schon das Grauen. Denn die vorinstallierte Version ist dem aktuellen Release mindestens zwei Major-Versionen hinterher. Wen das noch nicht stört, den wird spätestens die unmögliche Tastaturbelegung des vorinstallierten Emacs’ daran hindern, damit zu arbeiten. Es gibt keine Meta-Taste[1], Umlaute werden zu den interessantesten Sonderzeichen interpretiert und wechselt man den Space kann es schon mal passieren, dass Emacs gar keinen Inhalt mehr zeigt, wenn man zum Fullscreen-Terminal zurückkehrt.

Apropos Fullscreen …

Emacs.App

Als Alternative Variante bietet sich EmacsForMacOSX an. Diese in Cocoa geschriebene Applikation, häufig auch als Emacs.App referenziert, verspricht das volle Emacs-Erlebnis auf dem Mac, ohne krude Tastenbelegung und mit voller OS-Integration. Viel versprochen, kaum etwas gehalten. Die Tastenbelegung erscheint auf den ersten Blick tatsächlich intelligenter, so nutzt Emacs.App immerhin die Alt-Taste als Meta, doch läuft der Nutzer hier spätestens in ein Problem, wenn er versucht ein @-Symbol oder etwa {, [, ], }, oder ~ zu tippen. Denn die Tasten wurden einfach überschrieben und dienen nun als Meta-Aufrufe. Ist ja nicht so, als bräuchte man die ständig. Als Programmierer. In Ruby. Das lässt sich natürlich alles durch beherztes Selbstschreiben der init.el beheben. Was ich auch getan habe. Meine Konfiguration umfasst inzwischen für den Mac über 180 Zeilen Code. Tendenz steigend.

Zurück zum Fullscreen-Mode. Den hat Emacs.App natürlich auch nicht. Weder nativ, noch per Funktion. Es gibt die Möglichkeit, per ns-toggle-fullscreen den Emacs über den gesamten Bildschirm zu spannen. Diese Funktion ist aber weit von der nativen Lösung entfernt. So wird weder ein eigener Space kreiert, noch Menü und Dock ausgeblendet. Der Editor wird durch diese Funktion tatsächlich einfach nur gestreckt. Auf der aktuellen Arbeitsfläche und ist dadurch in 9 von 10 Fällen einfach nur im Weg.

Hinzu kommt, dass die Konfiguration von Emacs.App über Skripte deutlich schwieriger ist, als es sein sollte. Denn auf viele Eingaben reagiert Emacs.App gar nicht. So durfte ich bereits Stunden damit verbringen, dieser App AUCTeX beizubringen und weitere Stunden, dafür globale Variablen anzulegen.

Ich habe das alles stillschweigend[2] auf mich genommen, weil ich dachte, dass es einfach so ist und wenn ich einen solch mächtigen Editor wie Emacs nutzen möchte, ich eben ein paar Hürden überwinden muss. Das dachte ich genau bis letzten Freitag, als ich Emacs das erste mal auf einer aktuellen Fedorakiste startete.

Emacs, wie es sein sollte

Ich installierte Emacs aus den offiziellen Quellen, startete es und bekam das gleiche Fenster zu sehen, das Emacs.App bietet. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Als Metataste dient auch hier Alt, allerdings werden durch Alt aufgerufene Sonderzeichen nicht blockiert. Umlaute, Sonderzeichen und sogar der Theme-Manager funktionieren ohne Probleme. Pakete lassen sich tatsächlich über die interne Paketverwaltung installieren. Die gesicherte Konfiguration wird ordentlich in ~/.emacs.d/init.el ausgeschrieben und der Fullscreen-Mode funktioniert exakt wie von Fedora vorgesehen.

Da ich Emacs inzwischen für meine gesamte tägliche Arbeit verwende, bis auf Mail (da bleibe ich vorerst bei dem ganz hervorragenden Sparrow) und Web (Chrome oder Safari), muss ich mir nun natürlich Gedanken darüber machen, ob sich die Arbeit auf dem Mac für mich weiterhin lohnt. Ich werde zuerst einmal den Versuch wagen, Fedora auf dem Air zu installieren und hier sicher darüber berichten. Die Hardware ist einfach unschlagbar. Nur die Software ist totaler Mist.

__

Fußnoten:
[1] Tatsächlich muss die ESC-Taste als Meta-Ersatz herhalten. Die kann aber nicht als Meta-Taste bezeichnet werden, da man sie wieder loslassen muss, um die nächste Taste zu aktivieren. Hält man ESC gedrückt, passiert nämlich gar nichts.
[2] Ok, das war gelogen. Ich schimpfte wie ein Rohrspatz.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s